Zahlungsmoral hat sich verschlechtert

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Die europäische Wirtschaftskrise wirkt sich auch auf die Geschäfte der Unternehmen aus. Immer mehr deutsche Firmen bleiben auf unbezahlten Rechnungen sitzen.

(verpd) Fehlende finanzielle Mittel sind der Hauptgrund dafür, dass deutsche Lieferanten in den letzten Monaten einen Anstieg des Totalausfalls ihrer Forderungen im Inland um 37 Prozent hinnehmen mussten, wie das aktuelle Zahlungsmoralbarometer eines Kreditversicherers zeigt. Im Ausland waren es sogar über 71 Prozent.

Eine regelmäßig durchgeführte Umfrage bei rund 3.000 Unternehmen aus 14 europäischen Ländern eines Kreditversicherers legt dar, dass es insbesondere bei Forderungen an ausländische Geschäftspartner zu einer deutlichen Verschlechterung der Zahlungsmoral gekommen ist. Europaweit mussten die Unternehmen rund fünf Prozent ihrer Forderungen abschreiben, im Vergleich zu drei Prozent im Vorjahr. Dabei waren 5,0 Prozent der inländischen und 4,7 Prozent der ausländischen Forderungen für westeuropäische Unternehmen verloren.

Bei den deutschen Lieferanten erhöhte sich der Totalausfall bei den inländischen Forderungen um 37 Prozent auf 3,7 Prozent der Gesamtsumme ihrer ausstehenden Rechnungen. Bei den ausländischen Forderungen betrug der Anstieg 71,4 Prozent auf 4,8 Prozent.

Große Unterschiede in Europa

Diese Relationen sind in den meisten westeuropäischen Ländern ähnlich. In Italien waren 7,6 Prozent der inländischen und 6,0 Prozent der ausländischen Forderungen nicht einziehbar, in der Türkei 6,7 und 5,4 Prozent.

Am deutlichsten war der Unterschied in Griechenland und Spanien – dort mussten die Unternehmen auf 6,3 beziehungsweise 4,0 Prozent ihrer inländischen Forderungen verzichten, aber nur auf 0,9 beziehungsweise 2,0 Prozent der ausländischen Forderungen.

Geringere Kreditbereitschaft

Die deutschen Lieferanten sind weniger als früher geneigt, Forderungen mit Zahlungsziel zu gewähren. Deren Anteil an der Gesamtzahl der Business-to-Business-Forderungen sank bei inländischen Geschäftspartnern im Vergleich zum Vorjahr von 51,4 auf 44,5 Prozent, bei ausländischen Partnern von 46,6 auf 36,4 Prozent.

Prinzipiell soll ein solcher Zahlungsaufschub vor allem dem Aufbau langfristiger Handelsbeziehungen dienen. Die Unternehmen räumen aktuell rund 48,1 Prozent ihrer inländischen und 40,6 Prozent ihrer ausländischen Kunden einen derartigen Vorteil ein. Die durchschnittlichen Zahlungsziele haben sich von 22,0 im Vorjahr auf 24,3 Tage im Inland erhöht, im Ausland sind sie dagegen von 28,0 auf 27,5 Tage zurückgegangen. Damit liegt Deutschland deutlich unter dem europäischen Durchschnitt von 32,8 Tagen.

Weniger Geld

Während die Verfügbarkeit finanzieller Mittel als Hauptgrund für Zahlungsverzögerungen im Inland von 69,3 auf 63,8 Prozent zurückgegangen ist, hat dieser bei ausländischen Kunden mit einem Anstieg von 46,2 auf 50,0 Prozent deutlich zugenommen. Die durchschnittliche Forderungslaufzeit erhöhte sich von 34,0 auf 38,0 Tage.

Die sinkende Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen halten 34,8 Prozent für die größte aktuelle Herausforderung. 27,6 Prozent glauben, dass das Inkasso offener Rechnungen zu einem wichtigen Problem für das Geschäftsjahr 2013 werden könnte. Die Sicherstellung von ausreichender Liquidität ist für 26,7 Prozent ein Problem und 11,0 Prozent befürchten eine unzureichende Verfügbarkeit von Bankkrediten.

Absicherung gegen Zahlungsmuffel

Unternehmen, die das finanzielle Risiko von Zahlungsausfällen vermindern möchten, finden übrigens in der Versicherungswirtschaft entsprechende Lösungen. Eine Forderungsausfall-Police, auch Warenkredit-Versicherung genannt, springt ein, wenn berechtigte und nachweisliche Forderungen aus Warenlieferungen sowie aus Werk- und Dienstleistungen in einem bestimmten Zeitraum nicht bezahlt wurden.

Die Forderungsausfall-Versicherung erspart dem Unternehmen dabei den oftmals erfolglosen Gang zum Anwalt oder zum Inkassobüro. Um es gar nicht zum Schaden kommen zu lassen, werden je nach Vertragsvereinbarung durch den Versicherer Kreditprüfungs- und Überwachungsaufgaben übernommen. Sollte es dennoch zu Forderungsausfällen kommen, werden diese abzüglich einer vereinbarten Selbstbeteiligung vom Versicherer übernommen. Die Forderungsausfall-Versicherung wird für fast jede Branche und jede Firmengröße angeboten.