Pflegefall – was dann?

am .

Pflegefall – was dann? - 4.8 out of 5 based on 19 votes
1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 Rating 4.87 (19 Votes)

Über 2,4 Millionen Menschen sind derzeit in Deutschland auf eine Pflege angewiesen – Tendenz steigend. Da eine Pflegebedürftigkeit infolge eines Unfalls oder einer Krankheit jeden treffen kann, sollte man wissen, was in einem solchen Fall zu tun ist.

(verpd) Wie die Bundesregierung angibt, waren letztes Jahr über 2,4 Millionen Menschen pflegebedürftig. Rund 1,7 Millionen wurden ambulant und etwa 760.000 stationär gepflegt. Experten rechnen damit, dass in wenigen Jahrzehnten die Zahl der Pflegebedürftigen auf über vier Millionen steigen wird. Was Betroffene und deren Angehörige bei Eintritt des Pflegefalls tun sollten.

Die Pflegebedürftigen selbst, aber auch deren Angehörige, sind bei Eintritt des Pflegefalls mit zahlreichen Problemen konfrontiert. Egal ob es um die Beantragung der zustehenden Leistungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung bis hin zur Auswahl eines für den individuellen Bedarf passenden ambulanten Pflegedienstes geht. Es gibt jedoch zahlreiche Hilfen und Informationen dazu.

Anspruch auf Pflegeberatung

Betroffene oder bevollmächtigte Angehörige sollten sich in diesem Fall an die gesetzliche Kranken- beziehungsweise Pflegekasse oder die private Krankenversicherung des Pflegebedürftigen wenden.

Die Krankenkasse beziehungsweise -versicherung ist nämlich für Fragen zur Pflegebedürftigkeit zuständig und jeder Versicherte hat Anspruch auf eine Pflegeberatung. Weitere Informationen, was im Falle einer Pflegebedürftigkeit zu tun ist, bietet auch das Bundesministerium für Gesundheit online im Webauftritt des Ministeriums.

Um Leistungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung zu erhalten, muss ein entsprechender Antrag bei der Pflegekasse gestellt werden. Diese beauftragt dann den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK), welche den Pflegebedürftigen untersucht und auf dieser Grundlage der Pflegekasse die Pflegestufe empfiehlt.

Neue Leistungen der Pflegestufe 0

Wann eine Pflegebedürftigkeit vorliegt, ist in Paragraf 14 SGB XI (11. Sozialgesetzbuch) geregelt. Je nach Schwere der Pflegebedürftigkeit erfolgt die Einstufung nach Paragraf 15 SGB XI in eine von maximal drei Pflegestufen. Zusätzlich gibt es die Pflegestufe 0. Diese Einstufung gilt für Menschen mit dauerhaft erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz, die zwar einen Hilfebedarf im Bereich der Grundpflege und hauswirtschaftlichen Versorgung haben, jedoch noch nicht die Voraussetzungen für eine Einstufung in die Pflegestufe 1 erfüllen.

Detaillierte Informationen zu den aktuellen Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung sowie ein Ratgeber, was zu tun ist, wenn der Pflegefall eintritt, bietet die neue Broschüre Ratgeber zur Pflege des BMG, die kostenlos als PDF-Datei heruntergeladen oder auch in Papierform telefonisch unter 030 340606602 bestellt werden kann.

Die richtige Versorgung bei der ambulanten Pflege

Die meisten wollen im Pflegefall zu Hause betreut werden. Doch in vielen Fällen können Angehörige diese Pflege aus unterschiedlichen Gründen nicht alleine übernehmen. Zahlreiche ambulante Pflegedienste bieten diesbezüglich ihre Dienste an.

Doch wie findet der Einzelne im Bedarfsfall den für seine Situation passenden Dienstleister aus der Fülle der Angebote? Die Pflege-Expertin Claudia Stiller-Harms von der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) nennt einige Auswahlkriterien:

Der Pflegedienst sollte nicht zu weit entfernt sein, damit er leicht erreichbar und im Notfall schnell zur Stelle ist.

Er sollte seine Leistungen mit Pflege- und Krankenkassen abrechnen können.

Er sollte alle Pflegebereiche abdecken, in denen Hilfe benötigt wird.

Der Anteil an ausgebildeten Pflegefachkräften sollte höher sein als der an angelernten Hilfskräften

Vorteilhaft ist eine kontinuierliche Betreuung durch ein festes Team.

Auch am Wochenende muss eine fachlich qualifizierte Pflege gewährleistet sein.

Für Notfälle – auch nachts – sollte ein Bereitschaftsdienst vorhanden sein.

Der Pflegedienst sollte mit weiteren Institutionen, die für die persönliche Pflege wichtig sind, vernetzt arbeiten – beispielsweise mit dem Hausarzt, der Tagespflege und sozialen Diensten.

Es sollte ein individueller Pflegeplan aufgestellt werden, der besondere Wünsche und Gewohnheiten berücksichtigt.

Die Pflegekräfte sollten immer gut mit Hilfsmaterial, zum Beispiel Einmalhandschuhen, ausgestattet sein.

Das passende Pflegeheim oder der richtige Pflegedienst

Insbesondere zählt auch der persönliche Gesamteindruck bei Beratungsgesprächen mit den infrage kommenden Pflegediensten. Die BGW-Expertin empfiehlt deshalb: „Sprechen Sie auch mit Beschäftigten der Pflegedienste. Machen sie einen gestressten und gesundheitlich angeschlagenen Eindruck oder wirken sie fit und motiviert auf Sie? Je nachdem wird auch die Qualität der Pflege unterschiedlich ausfallen."

Weitere Tipps zur Auswahl von Pflege- und Wohnangeboten beispielsweise für Senioren finden sich auch in der BGW-Broschüre aus dem Jahr 2010 „Individuell leben im Alter – ein Wegweiser", die kostenfrei im Internet heruntergeladen werden kann. Auch die Erfahrungen, die zum Beispiel Bekannte, Nachbarn oder Freunde mit einem bestimmten Pflegedienst gemacht haben, können nützlich sein.

Zusätzliche Informations-Möglichkeiten gibt es bei der jeweiligen Pflegekasse oder auch bei Sozialämtern, Wohlfahrtsverbänden und Seniorenbüros, die entsprechende Beratungen anbieten. Das BMG nennt als weitere Informationsstellen im Internet beispielsweise den AOK-Gesundheitsnavigator, den BKK PflegeFinder, den Pflegekompass (Knappschaft, LSV, IKK), den VDEK Pflegelotsen und die Weisse Liste. Hier gibt es diverse Möglichkeiten unter anderem nach Pflegediensten und/oder Pflegeheimen von verschiedenen Organisationen und Firmen zu suchen.

Absicherung der Kosten

Übrigens, die gesetzliche Pflegeversicherung bietet keine Kostendeckung im Pflegefall. Möchte der Pflegende einen professionellen ambulanten Pflegedienst in Anspruch nehmen oder stationär in einem Pflegeheim gepflegt werden, übernimmt die gesetzliche Pflegekasse je nach anerkannter Pflegestufe zwar einen Teil der Kosten, doch eben bei Weitem nicht alles.

Reicht das eigene Einkommen nicht, um die Kosten abzudecken, kann es auch sein, dass der Ehepartner oder nahe Verwandte wie Kinder oder Eltern herangezogen werden.

Um eine ausreichende finanzielle Sicherheit im Falle einer Pflegebedürftigkeit zu erhalten, empfiehlt sich daher eine private Pflegezusatz-Versicherung, je nach Vertragsgestaltung seit Kurzem sogar mit staatlichen Zuschüssen.

Wir Versicherungsexperten helfen bei Fragen gerne weiter. Vereinbaren Sie jetzt einen Termin - bei Ihnen oder in unserem Service-Center in Berlin.

Hier finden Sie unser Kontaktformular.