Drastischer Anstieg der Kosten für Heil- und Hilfsmittel

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Für Heil- und Hilfsmittel geben die gesetzlichen Krankenkassen nach einer aktuellen Untersuchung mittlerweile einen zweistelligen Milliardenbetrag aus. Dennoch kommt es hier insbesondere bei Kindern zu erheblichen Fehlversorgungen.

(verpd) Die Ausgaben für Heil- und Hilfsmittel in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) sind zwischen 2005 und 2011 um ein knappes Viertel beziehungsweise Drittel auf zusammen über zehn Milliarden Euro gestiegen. Zugleich stellt der neue Heil- und Hilfsmittelreport fest, dass es in diesem Bereich in erheblichem Ausmaß zu Über-, Unter- oder auch Fehlversorgung kommt. Hiervon seien insbesondere Kinder, Rückenkranke und Pflegebedürftige betroffen.

Der Barmer GEK, ein Träger der gesetzlichen Krankenversicherung, beklagte in ihrem vor Kurzem vorgelegten Heil- und Hilfsmittelreport Fehlentwicklungen. Dieser Bereich wachse fast unbemerkt ungehemmt und führe im System der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) mittlerweile zu Kosten im zweistelligen Milliardenbereich.

Seit 2005 sind die Kosten für Heil- und Hilfsmittel bis 2011 um 22 beziehungsweise 30 Prozent auf zusammen 11,2 Milliarden Euro gestiegen.

Geringe Passgenauigkeit der Maßnahmen

Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Barmer GEK, Dr. Rolf-Ulrich Schlenker, erklärt, dass mit dem Heil- und Hilfsmittelreport Versorgungsbereiche untersucht würden, „die im Schatten der großen Ausgabenblöcke ausgesprochen gut gedeihen".

Zum einen würden moderne Therapieansätze wie Ergotherapie und Logopädie sowie teure Medizintechnik wie Atemtherapiegeräte und Hörgeräte dieses Versorgungsfeld prägen. Zum anderen gebe es hier aber auch ein gesundheits-wirtschaftliches Massengeschäft (Bandagen, Inkontinenzhilfen, klassische Massagen), erklärte Schlenker.

Schlenker und Professor Dr. Gerd Glaeske vom Zentrum für Sozialpolitik der Universität Bremen, unter dessen Regie der Report erstellt wurde, bemängelten die geringe Passgenauigkeit von Maßnahmen. „Natürlich brauchen wir die Ergotherapie – aber warum kommt davon bei psychisch auffälligen Kindern so wenig an?", fragte Schlenker.

Jedes fünfte Kind leidet an psychischen Auffälligkeiten

Der Report stellt fest, dass in Deutschland etwa 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen im Alter zwischen sieben und 17 Jahren an psychischen Auffälligkeiten leiden, wobei der Behandlungsbedarf nur bei einem Teil der betroffenen Kinder und Jugendlichen auch erkannt wird.

Nach den Daten der bei der Krankenkasse versicherten Kinder und Jugendliche wurden bei knapp elf Prozent psychische Störungen – zumeist ADHS – festgestellt. Insgesamt seien aber nur 14 Prozent der betroffenen Kinder mit Ergotherapie behandelt worden. Dies reiche nach Ansicht der Reportherausgeber nicht aus.

Für Glaeske herrscht beim Einsatz von Ergotherapie noch medizinische Unsicherheit, da immer noch evidenzbasierte Entscheidungshilfen fehlten. Aber gerade die Behandlung von ADHS benötige alternative Therapieoptionen, erklärte Glaeske. Der Heil- und Hilfsmittelreport 2012 stellt darüber hinaus fest, dass insgesamt bei jährlich rund 210.000 Hüftgelenk- und rund 175.000 Kniegelenkoperationen allein 37.000 Wechseloperationen stattfinden, „auch ein Resultat von wenig geeigneten Implantaten", heißt es in der Untersuchung.

Krankenschutz nach Wunsch

Wer sich selbst und seine Kinder vor einer unüberschaubaren Kostenlawine im Krankheitsfall schützen will und auch bei den Therapieformen mehr Auswahl für die individuell richtige Behandlung haben möchte, kann private Vorsorge treffen.

Damit können gesetzlich Krankenversicherte mit einer Zusatzversicherung Kosten, die sie normalerweise selbst tragen müssten, abfedern. Solche Ergänzungspolicen gibt es beispielsweise für Leistungen im Bereich Brillen, Heilpraktiker, für Zahnarzt und Zahnersatz sowie für den Eigenanteil von verordneten Arznei-, Verbands-, Hilfs- und Heilmitteln wie Massagen.

Aber auch bei stationären Behandlungen lassen sich Wunschleistungen wie Einzelzimmer-Unterbringung oder Chefarztbehandlung mit einer Zusatzabsicherung verwirklichen. Wir Versicherungsberater aus Berlin helfen Ihnen gern dabei, den passenden Krankenschutz für den individuellen Bedarf und die persönlichen Wünsche zu finden.